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#11 Folge – Auf der Suche nach dem Sinn / PURPOSE

Warum dieser podcast Titel?


Ich hab grade den Eindruck die Welt ist auf der großen Suche nach dem weltumfassenden purpose, auf der Sinnsuche im Kleinen wie im Großen. 

Ich selbst beziehe ja einen Großteil meiner beruflichen Zufriedenheit daraus, dass ich Menschen darin unterstützen darf, nicht nur ihre Führungsqualitäten zu entwickeln sondern den für sie passenden sinnerfüllten beruflichen Weg zu gehen.

Und dennoch wage ich hier nicht nur einen Blick auf die Schokoladenseite von purpose sondern auch einen kritischen Blick auf das Thema und den Begriff so wie er heutzutage gerne benutzt wird.

Purpose bezeichnet im wesentlichen die Suche nach dem Sinn.
Die heutige Sinnfrage ist natürlich nicht neu, die gab es schon immer und die Philosophen wie auch die Weltregionen haben sich alle mit der Sinnfrage auseinandergesetzt.
Heutzutage ist die Sinnfrage topaktuell und ganz besonders und – das ist neu: die Sinnfrage für Unternehmen.

The purpose economy, mit diesem Buch hat Aaron Hurst 2014 etwas tituliert, was bereits gesellschaftlich trendverdächtig war: nämlich die Sinnsuche mit dem erfolgreichen Wirtschaften in Unternehmen zu verbinden.

Hier im podcast will ich gerne einmal beleuchten mit positivem aber auch kritischem Blick was denn der heutige purpose Hype bedeutet, sozusagen .. den purpose des purpose betrachten…  

und .. abschließend passend zur besinnlichen Vorweihnachtszeit … was man tun kann um seinem eigenen purpose näher zu kommen.

Und damit wären wir auch schon beim Thema.

Wenn heutzutage über purpose gesprochen wird, dann meist im Zusammenhang mit der DNA einer Organisation, damit meine ich der Unternehmenskultur von Organisationen,
und die Frage, um die sich dann alles dreht ist:

  • welchen purpose gibt es denn da, welchen höheren Sinn und Zweck verfolgt das Unternehmen? Ein sehr ehrenwertes Prinzip. Oder?

Zunächst einmal die Betrachtung von Purpose,

was ist es und was ist es nicht:

Es geht beim purpose darum, das „große Ganze“ zu sehen.

Was ist mein Beitrag … als Mitarbeiter/ als Führungskraft für das Team,

für das jeweilige Projekt und für das Unternehmen.

Wörtlich übersetzt geht es um den Sinn und Zweck eines Unternehmens.

Der Purpose fragt nach dem „Warum“, nach dem „Why“, nach dem Sinn und Zweck des Handelns.

Der Purpose in seiner heutigen Bedeutung hat allerdings – gerade auch im Vergleich zu ähnlichen Modellen, die es vorher bereits gab – eine betont gesellschaftliche, ökologische und auch politische Komponente.

Beim heute vielzitierten Purpose geht es darum, welchen Beitrag ein Unternehmen zur Lebensqualität aller beteiligten Akteure leistet und wie sich ein Unternehmen darüberhinaus mit dem Blick auf die Zukunft ausrichtet.

Nicht nur für die Akteure im Unternehmen sondern für die Gesellschaft und letztendlich auch für den Weltfrieden und das Weltklima.

Eine ganz schön große Verantwortung.

Purpose ist dadurch heutzutage philosophisch und moralisch geprägt.

Es geht nicht mehr nur darum: Was ist der Sinn meiner Arbeit?

Sondern auch:

Verfolgt mein Arbeitgeber einen höheren Zweck?

Wenn jemand mit dem moralischen Zeigefinger agiert, werde ich per se kritisch.

Ich hab häufig den Eindruck dass Moral schlichtweg instrumentalisiert wird.

Viele Unternehmen, die sich heute dem Zeitgeist der kollektiven Sinnsuche verschrieben haben, wirken auf mich wenig glaubwürdig.   

Auch wenn ich das natürlich nicht allen unterstellen mag.

Was mir ausserdem zu kurz kommt in der aktuellen Diskussion, ist dass gerade die familiengeführten Unternehmen in Deutschland keine aktivistische Suche nach Purpose brauchen.

Denn Sinnhaftigkeit war schon immer Teil ihrer Identität.

Abgesehen von aller Kritik am Purpose Hype:

Natürlich ist es so, dass wenn Menschen sinnerfüllt arbeiten können, sie glücklicher sind.

Glücklichere Menschen sind auch effizienter.

Das weiß man unter anderem aus der Resilienzforschung bzw. dem Bereich der Positiven Psychologie.

Und man muss hier noch nicht einmal die Forschung zitieren denn das leuchtet so ziemlich jedem ein.

Damit kommen glückliche Mitarbeiter sowohl den Unternehmen zugute, aber auch der Gesellschaft.

Nun will ich einmal eine kleine Übersicht des heute vielzitierten Purpose im Vergleich zu anderen vergleichbaren Modellen geben:

Seitdem Simon Sinek dieses Prinzip des Purpose in seinem Modell „Golden circle“ präsentiert hat, ging dieses wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien.

Der „Golden Circle“ von Simon Sinek beschreibt mit drei wesentlichen Fragen das Prinzip, nämlich Why, How und What.

Sinek stellt dabei immer wieder in den Fokus, dass es maßgeblich ist mit dem Why, dem Warum, dem Purpose zu starten.

Das How und What bauen darauf auf.

Es gab davor in den letzten Jahrzehnten diverse Konzepte, die sich dem Thema purpose ebenfalls gewidmet hatten und auch viel Aufmerksamkeit erhielten.

Ich will hier nur mal eine kleine Auswahl darstellen.

Ich zitiere gerne die London Business School, die bereits vor einigen Jahren mit einer Studie über „Why should anyone be led by you“ folgendes zutage brachte:
Nur wer als Führungskraft in der Lage ist seinen Mitarbeitern „Significance“ zu vermitteln, dh. Bedeutung zu geben für das, was derjenige tut, der wird auch Mitarbeiter bekommen, die gerne mit dieser Führungskraft arbeiten.

Significance bzw. Bedeutung ist DER Begriff schlechthin.

Wenn Menschen wissen WARUM sie ihre Arbeit machen gibt ihnen dies Sinn.

Denn wenn unsere Arbeit bedeutungslos ist, wird sie für uns wertlos.

Hier wird der Begriff purpose auf den Mikrokosmos einer Führungskraft angewandt.

Wenn Mitarbeiter keinen Sinn in ihrer Arbeit sehen und ihre Arbeitsleistung keine Bedeutung hat, stellt sich ihnen auch die Frage, weshalb sie noch bei ihrem Arbeitgeber bleiben sollen.

Dieses Thema steht auch im Fokus der einmal jährlich durchgeführten Gallup Studie.

Fazit: jährlich grüsst einmal das Murmeltier mit ziemlich gleichbleibenden Ergebnissen zum Thema Demotivation in Organisationen.

Es wird nicht nur dargestellt, wie gleichbleibend hoch die Demotivation von Mitarbeitern ist, sondern auch, dass die Motivation und die Zufriedenheit von Mitarbeitern in erster Linie vom Führungsstil und der Persönlichkeit der jeweiligen Führungskraft abhängt.

Hier wiederum wird purpose und Sinnhaftigkeit explizit mit dem Agieren der jeweiligen Führungskraft in Verbindung gebracht.

Auch die Theorie U von Otto Scharmer hatte sich vor einigen Jahren dem Thema Purpose gewidmet und wurde zu einer wahren Modewelle.

Im Kern betrachtet die Theorie U die inneren Quellen unseres Handelns, sowohl auf individueller, aber auch organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene.

Insgesamt ist die Theorie U voller Veränderungspoesie und es geht maßgeblich darum, in die Tiefe, zum Kern oder zu dem, was die Menschen wirklich bewegt zu kommen.
Der Nutzen der Theorie ist, dass sie Mut zu Veränderung macht.

Da ich eine besondere Affinität zu asiatischen Kulturen habe, will ich hier auch noch eine weitere Methode zitieren, die aus Japan bzw. Ottinawa kommt: IKIGAI.

Das bedeutet ungefähr „das, wofür es sich zu leben lohnt“ oder auch „was ist der Sinn des Lebens“.

Das Ikigai Modell untersucht die zentralen Lebensfragen und zwar in allen Lebensbereichen.

Die zentralen Fragen im Ikigai Modell sind:

  • Was liebe ich? Was ist meine Leidenschaft?
  • Worin bin ich besonders gut? Was sind meine Stärken?
  • Wofür werde ich bezahlt? Womit kann ich Geld verdienen?
  • Was braucht die Welt? Womit leiste ich einen Beitrag? 

Das, wofür es sich lohnt aufzustehen, das ist Ikigay.

Es gibt noch weitere Modelle, die das Thema des Purpose schon vor Jahrzehnten zum Thema gemacht haben, die eben aufgeführten sind eine kleine Auswahl davon.

Die „Kienbaum Purpose Studie 2020“ hat den Purpose untersucht und stellt u.a. fest, dass der Purpose einen identifizierbaren Vertrauensfaktor darstellen kann und muss,

sich in diesem Fall die Performance des Unternehmens verbessert,

und dass ein überzeugender Purpose ein Innovationstreiber ist.
Kein Wunder also, dass Unternehmen sich auf die Purpose Suche begeben.

Warum ist „purpose“ heute so wichtig?
Viele behaupten der purpose sei mit dem Übergang des Industriezeitalters in das Informationszeitalter ein Thema geworden.

Wir leben im Jahre 2020 und sind noch mitten in der sogenannten Coronakrise,

Dezember 2020.

Wir leben de facto in einer extrem unsicheren Zeit.

So unsicher, so volatil, so unvorhersehbar wie nie zuvor seit Bestehen dieser Bundesrepublik.

Fast alles scheint plötzlich auf dem Prüfstand zu stehen.

In unsicheren Zeiten sucht man einen Anker,

man sucht etwas, das man einschätzen kann, das den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Es ist eine Suche nach Identifikation und nach Vertrauen.

Vertrauen in Personen, in Marken und in Unternehmen.

Denn Vertrauen gibt Sicherheit. Vermeintliche Sicherheit.

Und genau hier kommt der heutzutage so gern benutzte Begriff „purpose“ ins Spiel. 

Vielleicht gerade deshalb noch mehr ins Spiel als zuvor.

Wie kann man denn nun seinen Purpose finden?

als Unternehmen, als Individuum/als einzelner Mensch?

Das funktioniert natürlich nur, wenn man sich mit sich selbst beschäftigt.

Was ist die Leidenschaft bei uns im Unternehmen?

Für welche Überzeugungen stehen wir ein?

Was ist unsere DNA?

Welche Werte werden bei uns gelebt? Für welche stehen wir? Für welche stehen wir nicht?

Als Unternehmen geht es darum die Werte herauszukristallisieren und diese in den Mittelpunkt aller Unternehmensaktivitäten zu stellen.

Ja, das braucht etwas Mut. Aber ohne Mut wird es nicht funktionieren.

Abgesehen davon:

ich bin ein großer Verfechter von Eigenverantwortung, daher würde ich zunächst an jeden und jede appellieren, sich zunächst Gedanken darüber zu machen, was sie als Individuum in ihrem Leben für wichtig erachten und was sie in ihrem Leben weiterentwickeln wollen.

Mit anderen Worten: was ist der Purpose für dich als Individuum.

Dabei ist das Thema Arbeit, der Arbeitgeber und die berufliche Rolle wahrscheinlich ein wichtiger Part, aber ist eben nicht alles.

Und das heisst: der Job und der Arbeitgeber sind auch nicht für das gesamte Lebensglück verantwortlich.

Die Arbeit ist ein wichtiger Teil in unserem Leben und genau deshalb ist es maßgeblich wichtig, heute mehr denn je, zu wissen, dass man da gut aufgehoben ist.

Aber: es gibt noch andere Standbeine im Leben.

Daher stelle ich immer erst in den Fokus die Betrachtung des eigenen Mindsets, der eigenen Motivatoren und was ich als Mensch brauche, um erfüllt und zufrieden zu leben und zu arbeiten.

Danach erst bin ich als Individuum in der Lage meinen Beitrag zu leisten zu einem Unternehmenszweck und zu einer Gesellschaft.

Im Mittelpunkt steht immer erst der Mensch und muss sich selbst erstmal prüfen, nach welchen Werten gelebt wird.
Denn werden die Werte nur im Aussen gesucht werden bei anderen bzw. bei einem Arbeitgeber, aber selbst nicht gelebt werden, dann wird das Ganze zu einer Farce.
Wenn du für dich deinen purpose im Leben geklärt hast, dann wirst du für dich auch die passenden Entscheidungen treffen für alles, was es in deinem Leben gibt:

Menschen, Orte, Aufgaben und den jeweiligen Arbeitgeber, der dann mit seiner Arbeitskultur, dem Arbeitsklima, den dort gelebten Werten und dem Unternehmens-Purpose deinem eigenen Purpose entspricht.

Wenn dein purpose mit dem purpose deines Arbeitgebers zusammenpasst: Glückwunsch. Dann sollte das ein Garant für eine ziemlich gute Beziehung sein. Theoretisch zumindest.

Auch da spielen wiederum natürlich noch weitere Faktoren eine Rolle, die wir jetzt hier völlig außer acht gelassen haben.

Das war nun eine kleine Zusammenfassung, warum purpose heutzutage das Hype Thema ist, was es bedeutet und wie man seinen purpose finden kann. Vielleicht ist das Thema purpose ein Gedankenimpuls zum Jahresende.

Dafür möchte ich gerne zum Abschluss einige ausgewählte Merkmale des japanischen

Ikigai Prinzips nennen.
Vielleicht eine Idee für dich um zum Jahresende einmal darüber nachzudenken,

ob diese Prinzipien für dich eine praktikable Form von purpose bzw. Sinn darstellen.

Sie sind nicht weltumspannend und auf den ersten Blick sicher nicht weltverändernd, sie betreffen nur deinen Mikrokosmos, aber sind deshalb nicht weniger wichtig und unglaublich wertvoll:

  • Finde in allem was du tust deinen Flow und bleibe aktiv
  • Gehe Dinge langsam an und nicht aktionistisch
  • Kultiviere gute und gesunde Gewohnheiten
  • Pflege gute Freundschaften
  • Führe ein entspanntes Leben und trainiere dich täglich darin
  • Sei Optimist und übe dich im Lächeln
  • Verbinde dich mit der Natur
  • Und sei dankbar

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