Krisen sind längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern Teil des Führungsalltags. Entscheidend ist, wie souverän wir damit umgehen.
In diesem Blog erfahren Sie, warum Krisenkompetenz heute zu den wichtigsten Führungskompetenzen zählt, was konkret damit gemeint ist und was Sie tun können, um Ihre Krisenkompetenz und innere Stärke in herausfordernden Zeiten auszubauen.
1) Warum Krisenkompetenz heute wichtiger ist denn je
Vermutlich ist das nicht überraschend. Die Kompetenz mit Krisen gut umgehen zu können, ist heute wichtiger als zuvor.
Was ist mit „gut umgehen“ gemeint? Es ist die Fähigkeit, mit unerwarteten und häufig komplexen Situationen souverän umzugehen. Die Welt scheint sich seit einiger Zeit schneller zu drehen als zuvor. Auch Themen, die vorher vermeintliche Sicherheit gegeben haben, sind davon betroffen.
Politische Umbrüche, gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftliche Turbulenzen. Disruptive Ereignisse sind längst keine Ausnahmeerscheinung mehr, sondern Alltag.
Das hat zur Konsequenz, dass Führungskräfte heute mehr steuern müssen als zuvor. Zuvor war bei dem ein oder anderen eher ein Verwalten als Führen angesagt. In „gut“ funktionierenden Zeiten war das möglich. Ohne sich selbst aus seiner Komfortzone zu bewegen. Diese Zeiten sind vorbei. Führungskräfte sind gefordert, Unsicherheit nicht nur auszuhalten, sondern diese aktiv zu gestalten. Genau hier kommt Krisenkompetenz ins Spiel.
Tatsache ist, je häufiger, je näher und je stärker disruptive Ereignisse vorkommen, die für Unsicherheit sorgen, umso stärker ist das Krisengefühl. Auch wenn Krisengefühle erstmal nichts Angenehmes sind, erfüllen diese dennoch einen guten Zweck.
Nämlich dann kommen Menschen auch eher ins Handeln.
Wie wir aber auch sehen sind es aber auch nicht alle, sondern nur diejenigen, die den „sense of urgency“ auch tatsächlich merken und an sich ranlassen und dann auch tatsächlich in die Umsetzung gehen.
Es gibt die zunehmende Anforderung, und zwar an alle, ganz besonders natürlich an Führungskräfte und Unternehmer: ihre Krisenkompetenz auszubauen.
Krisenkompetenz ist eine der wichtigsten Kompetenzen im modernen Führungsalltag.
Hier einmal die aus meiner Sicht wichtigsten Aspekte dazu:
2) Was konkret ist Krisenkompetenz?
Vor kurzem habe ich in einem Small Talk erlebt, dass mein Gesprächspartner erwähnte, dass es ja viele Krisen heutzutage gäbe.
Meine Antwort „Ja, das ist so. Umso wichtiger ist die Krisenkompetenz. Nicht Verwalter sein, sondern Gestalter “
Mein Gesprächspartner meinte zunächst, das sei ja etwas, was „man“ ja sowieso im Alltag immer hat und braucht.
Hm, ja, im Idealfall hat man das auch. Aber man hat diese Krisenkompetenz eben nicht automatisch.
In der Krise zählt: akute Handlungsfähigkeit unter Zeitdruck, Unsicherheit aushalten können und damit navigieren und nicht selten auch existenzielle Fragen dabei unter demselben Zeitdruck auf der Agenda zu haben. Dieses Konglomerat ist für viele eine große Herausforderung.
Die Kompetenzen, die es in Anbetracht von zunehmenden Krisen braucht, sind weit höher als diejenigen, die es im Alltag braucht.
Viele Unternehmen, dazu gehören auch viele meiner Kunden, nicht nur aus dem Mittelstand, wurden vor allem innerhalb des letzten Jahres ordentlich durchgeschüttelt.
Konkret heißt das:
Schnelle Entscheidungen treffen können
Gerade denjenigen, die sich gerne ausreichend und viel Zeit nehmen, um für sich entscheidungsfähig zu sein, haben hier eine große Herausforderung mit sich selbst.
Wobei es ein Trugschluß ist, dass man wirklich alle Informationen braucht, um entscheidungsfähig zu sein. Das hat der Gehirnforscher Gerd Gigerenzer in seinen Publikationen sehr aufschlussreich beschrieben.
Schnelle UND gleichzeitig reflektierte Entscheidungen zu treffen, ohne den Anspruch immer alle Informationen vorliegen zu haben. Das gilt es zu lernen. Damit einher geht die Ambiguitätstoleranz, die es damit gleichzeitig zu entwickeln gilt.
Es geht um Handlungsfähigkeit.
Emotionsmanagement
Die eigenen Emotionen wahrzunehmen, aber sich nicht von ihnen leiten zu lassen ist immens wichtig. Das ist ein wesentlicher Aspekt von Selbstregulation und gehört zur Emotionalen Kompetenz.
Es ist wichtig, sowohl die eigenen Emotionen als auch die Emotionen des Teams bzw. des Umfelds wahrzunehmen und zu würdigen. Wie beispielsweise Unsicherheit, Angst oder auch Wut, die es in unsicheren Zeiten und Krisen auch gibt. Es ist wichtig, sich innerlich davon distanzieren zu können und in der inneren Ruhe zu bleiben.
Um handlungsfähig zu sein.
Lösungs- statt Problemorientierung
Speziell in Deutschland braucht es mehr Kompetenz davon, da man sich in Deutschland vor allem in den letzten Jahren angewöhnt hat, problemorientiert unterwegs zu sein. In Deutschland ist man gewohnt lange das Problem zu umkreisen. Es werden Task Forces gebildet zum Reden und wenn das nichts bringt wird die nächste Task Force gebildet um über die erste Task Force zu entscheiden. Dass das nichts bringt ist seit langem offensichtlich. Das gilt nicht nur für Unternehmen sondern dieser Appell geht hier ganz klar an der Politik.
Handlungsfähigkeit braucht Lösungsorientierung.
Lernbereitschaft
Auch das ist ein Lernthema für viele. Denn nur weil jemand in einer Führungsrolle gelandet ist, ist diese Person nicht „fertig“. Ganz im Gegenteil. Es braucht per se die Grundhaltung offen zu sein und zu lernen. Umso wichtiger wird dies gerade in Krisenzeiten. Wer sich dem verschließt, wird verharren und nicht bereit sein, von toten Pferden abzusteigen. Das dürfte dann nicht gut enden.
Die Handlungsunfähigkeit mit all ihren unterschiedlichen Ausprägungen duften wir die letzten Jahre bereits sehr deutlich sehen.
3)Krisen erkennen bevor sie eskalieren
Wie können Führungskräfte dafür sorgen, dass sie als auch ihr Team und man insgesamt in ihrer Organisation frühzeitig Signale der Krise wahrnimmt und Signale nicht übersehen werden?
Krisen können sich manchmal von einem auf den anderen Tag ergeben. Denken wir an eine politische Änderung, die Ausrufung der sogenannten Pandemie mit völlig absurden geschäftsschädigenden und auch gesundheitsschädlichen Maßnahmen. Aber viele Krisen entwickeln sich eben schleichend und nur wer nicht blind ist, nimmt diese auch rechtzeitig wahr und agiert bereits vorausschauend. Vieles von dem was wir heute in der deutschen Wirtschaft sehen ist bereits seit vielen Jahren voraussehbar. Diejenigen, die vor Jahren bereits gewarnt hatten – inklusive mir – wurden als Kritiker belächelt, die man nicht ernst nehmen sollte, da sie Dinge unnötig schlechtreden.
Für Führungskräfte ist es entscheidend, sowohl harte Kennzahlen als auch „weiche“ Faktoren wie Mitarbeiterstimmung, Kommunikationsverhalten und Markttrends laufend zu beobachten. Die Kombination aus systematischer Analyse, offenem Dialog und der Bereitschaft, auch schwache Signale ernst zu nehmen, ist der Schlüssel zur erfolgreichen Krisenfrüherkennung. Das Thema rechtzeitig von toten Pferden abzusteigen gehört zu den wichtigen Konsequenzen in einer solchen Analyse. Dazu hatte ich im letzten Jahr bereits einen Newsletter verfasst und es gibt auch eine Podcastfolge von mir dazu: „Von toten Pferden absteigen bevor es zu spät ist!“.
Hier einmal ein paar ausgewählte „seismographische“ Aspekte, die man als Führungskraft besser auf dem Radarschirm hat:
– Umsatzrückgänge, Veränderungen im Markt, verändertes Kundenverhalten, neue Gesetzesinitiativen, regulatorische Änderungen.
– Verlust von Kunden oder Lieferanten, Forderungsausfälle
– Negative Presse oder vermehrte Beschwerden von Kunden müssen als Signale gesehen werden, dass hier Handlungsbedarf ist.
– hohe Fluktuation und hoher Krankenstand. Sinkende Motivation von Mitarbeitern
Gute Mitarbeiter, Know-How Träger, Schlüsselpersonen verlassen das Unternehmen nicht selten als erste. Und wenn das passiert, hat man vorher in der Geschäftsführung und in den Entscheiderfunktionen bereits zu lange weggeschaut … und darf sich nicht wundern.
Umso wichtiger, dass Unternehmen eine klare Definition von Frühindikatoren vorgenommen haben.
4)Praktische Tipps für den Führungsalltag
Diese Aspekte kann man für sich allein durchaus entwickeln. Dauert in der Regel länger, als mit einem Sparringspartner daran zu arbeiten.
Es braucht dazu Reflektion und Zeit.
Viele meiner Kunden sind offen und lernbereit und haben sich bevor sie sich zum Sparring oder Coaching entschlossen haben, bereits mit sich und mit Leadership beschäftigt, Bücher gelesen und Podcasts gehört.
Von vielen höre ich jedoch immer wieder, dass sie dabei an ihre Grenzen stoßen. Denn um die eigenen Kompetenzen zu entwickeln, braucht es das gemeinsame Lernen, emotionales Erleben, den neutralen Spiegel von aussen, und unbedingt das „ge-challenged“ werden.
Hier nochmal einige ausgewählte Tipps um Krisenkompetenz zu stärken:
📌Überprüfen Sie regelmäßig die Art und Weise Ihrer Entscheidungsfindung: wie zufrieden sind Sie damit?
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Art der Situationsanalyse und wie Sie Ihre Ziele und Lösungsszenarien definieren?
Wie bewerten Sie Ihre Lösungsoptionen und nach welchen Kriterien gewichten Sie?
📌In der Ruhe bleiben, eigene Emotionen regulieren und damit auch Vorbild sein
📌Klar und transparent kommunizieren. Krisen glasklar ansprechen und das, was kommuniziert wird auch umsetzen. Nichts ist schlimmer in einer Krise als wenn Worte von gestern heute schon wieder Geschichte sind und das Gegenteil davon gemacht wird. Menschen brauchen Führungskräfte, die transparent sind und „Walk the talk“ leben.
📌Entwickeln Sie Ihre Resilienz, indem Sie auf regelmäßige Ruhepausen achten, sich ausgewählte Stressbewältigungsstrategien aneignen und sich in regelmäßiger Selbstreflektion üben
📌zuvor bereits erwähnt: gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, offen und lernbereit zu sein. Das ist gerade für Menschen, die in verantwortlichen Rollen sind und immer viele Entscheidungen zu treffen haben, nicht einfach. Aber umso wichtiger.
Daher heißt es hier auch insbesondere: denken Sie daran in wichtigen Fragestellungen immer auch die Intelligenz und das Wissen Ihres Teams mit einzubeziehen.
Klingt im Grunde einfach, oder?
Wie vermutlich die meisten wissen: so einfach ist es nicht, denn es braucht tägliche Disziplin, Motivation, klare Zielsetzung und der Wille dran zu bleiben.
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