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Was gibt es zu beachten wenn ich Coach werden will?

Wer sich heutzutage im Coaching qualifizieren will, hat die Qual der Wahl. Es gibt über 300 Ausbildungen in Deutschland. Nach welchen Kriterien kann hier eine gute Auswahl getroffen werden?

Da ich häufig Menschen begegne, die mich fragen, was man denn braucht für die Rolle des Coaches will ich dies hier einmal etwas aufschlüsseln.

Erwartungen der Unternehmen an Coaches

Ein Unternehmen, das einen Coach engagieren will bzw. in seinen Coaching-Pool mit aufnimmt, achtet auf diverse Aspekte. Eine Ausbildung als Coach sowie Erfahrung als Coach sind in der Regel Grundvoraussetzung. Auch eine systemische Ausbildung gehört zum Standardrepertoire eines Coaches. Ein entsprechender „fit“ mit der Unternehmenskultur wird im gemeinsamen Gespräch geklärt. Weiterhin kann Erfahrung als Führungskraft oder Expertise in einem internationalen Umfeld oder auch eine bestimmte Branchenerfahrung erwünscht sein.

Mit der Zunahme an Coaches am Markt wurde der Ruf lauter nach einheitlichen und transparenten Qualitätskriterien und Standards. Der Dschungel an Ausbildungen, die nach unterschiedlichen Kriterien zertifizieren, ist mittlerweile hoch. Es gibt zahlreiche Coachingverbände, die natürlich alle ihre Qualifikationshoheit beanspruchen.

Ich habe vor 20 Jahren meine Ausbildung als „Systemischer Coach“ absolviert, da waren Coachingverband und Kriterien noch keine Themen. Neben weiteren Fortbildungen im Bereich Coaching & Training habe ich auch eine Qualifikation als facilitator in einer einjährigen Ausbildung erworben, die von der ECA zertifiziert ist. Gefragt hat mich bis heute keiner nach diesem Gütesiegel.

Wer jedoch als Coach tätig wird, wird zu Anfang mit Sicherheit gefragt werden, wo bzw. bei wem die Coachingausbildung stattgefunden hat. Unternehmen haben teilweise selbst Auswahlsysteme aufgebaut. Ich habe es selten erlebt, dass sich ein auftraggebendes Unternehmen speziell den Kriterien eines Coachingverbandes verschrieben hat. Meines Erachtens versuchen hier die meisten Unternehmen ihre Selbständigkeit zu wahren und sich nach eigenen Kriterien ihr Bild von einem Coach zu machen. Dies kann in Form eines Assessments oder /und von strukturierten Interviews ablaufen. Häufig kommt man in Kontakt mit Unternehmen aufgrund einer Empfehlung. Und der menschliche Faktor spielt hier natürlich auch eine Rolle. 

Die Toolbox des Coaches

Hier wäre es erstmal opportun die Frage zu stellen, worum geht es denn beim Coaching? Wie wissenschaftlich fundiert muss hier die Toolbox aufgestellt sein? Die meisten Coaching Verbände und auch Stiftung Warentest haben sich mittlerweile zumindest auf ein paar Aspekte geeinigt, die ein professioneller Coach mitbringen sollte. Dazu gehören ein Studium, eine mindestens einjährige Coaching Ausbildung, Erfahrung als Mitarbeiter oder vorzugsweise Führungskraft in einem Unternehmen bzw. einer Organisation und last but not least zählt die Erfahrung als Coach.

Ich merke heute immer wieder, dass Unternehmen und Coachees sehr schätzen, dass ich selbst einen Unternehmens-Hintergrund habe und zudem als Führungskraft tätig war.

Ich bin überzeugt davon, dass man als Coach eine gut ausgestattete Toolbox braucht, und eine Coaching- und Systemische Ausbildung bilden sicher ein gutes Fundament. Dass der Coach darüber hinaus über gute Analysefähigkeiten, eine stark ausgeprägte Empathie und Intuition verfügen sollte, versteht sich von selbst.

Mein Ansatz ist eklektizistisch, ich halte nichts davon, eine bestimmte Methode als die Königsdisziplin zu definieren und bin sehr skeptisch, wenn manche Methoden als „state of the art“ verkauft werden. Wenn eine Methode nicht wirkt, dann muss eben eine andere gewählt werden. Hilfreich ist, was wirkt.

Die Auswahl eines Coaching Ausbilders

In den zahlreichen Coaching Ausbildungen ist es wie auch anderswo: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Manche locken mit dem Versprechen in zwei Wochenendkursen ein zertifizierter Coach zu sein, und man ist mit einem kleinen Investment dabei. Andere versuchen mit ein- bis zweijährigen Ausbildungen, die 10 – 20.000 € kosten, ihre Anhänger zu finden.

Inhaltlich divergieren die Ausbildungen natürlich auch, und nicht jeder Ausbilder verfügt selbst über eine Coachingausbildung. In der Regel finden sich kombinierte Konzepte. Dabei ist immer ein Blick hilfreich sowohl auf den theoretischen und professionellen background der Ausbilder, als auch auf die Inhaltsthemen. Und last but not least spielt hier der menschliche Faktor eine relevante Rolle.

Dabei könnten u.a. folgende Fragen hilfreich sein:

  • Hat der Ausbilder selbst auch einen Unternehmenshintergrund, also Berufserfahrung in einem Unternehmen gesammelt? Wie war grundsätzlich sein Weg zur Professionalisierung?
  • Was zeichnet den Ausbilder aus, und was wird in seiner Ausbildung als besonders wichtig angesehen?
  • Wer kann bei diesem die Ausbildung absolvieren? Welche Zielgruppen werden angesprochen?
  • Wie groß sind die Ausbildungsgruppen?
  • Welchen Themen stehen auf dem Ausbildungsplan?

Ich würde jedem empfehlen, eine mindestens einjährige Coachingausbildung zu absolvieren, die sowohl verschiedene theoretische Konzepte vermittelt, als auch unterschiedliche Formen und Kulturen von Unternehmen und Organisationen berücksichtigt. Außerdem ist es sicher hilfreich, wenn die Ausbildung ermöglicht, dass man in Simulationen auf Coaching Situationen vorbereitet wird. Stehen auf dem Ausbildungsplan insbesondere Konzentrations- und Bewegungsübungen, d.h. Meditation und z.B. Tanz oder Yoga-Übungen, dann sind dies sicher sehr sinnvolle Themen, aber gehören aus meiner Sicht nicht in den Fokus einer Coach-Ausbildung.

Wer für sich eine grobe Auswahl an Ausbildern bzw. ausbildenden Instituten getroffen hat, dem würde ich auf alle Fälle noch raten, Zeit in ein persönliches Vorabgespräch oder ähnliches zu investieren.

Ich möchte hier nochmals betonen, dass man Coaching nicht in kurzer Zeit lernt wie ein Handwerk. Eine Coaching Ausbildung vermittelt zwar „Tools“, das notwendige Handwerkszeug, das man als Coach in der Tasche haben sollte. Aber das ist nur EIN essentieller Baustein im Berufsbild eines professionellen Coaches. Das Verständnis für das Anliegen des Coaches, ein gutes Gespür dafür, was es braucht, um Perspektivenwechsel zu schaffen, Impulse zu generieren und sowohl prozess- als auch zielorientiert vorzugehen, lernt man mit der Zeit.

Klärung der eigenen Zielsetzung

Bevor man sich jedoch die verschiedensten Ausbilder am Markt genauer anschaut, macht es Sinn, sich der eigenen Zielsetzung bewusst zu werden. Und es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Menschen, die sich mit dem Thema Coaching beschäftigen wollen und in völlig anderen beruflichen Sparten unterwegs sind. Beispielsweise hat meine Hausärztin vor einigen Jahren eine Coaching Ausbildung absolviert, da sie ihre Kunden noch besser betreuen wollte. Und ich kann nur sagen, sie macht als Ärztin einen tollen Job!

Jeder kann lernen, gute Fragen zu stellen. Und natürlich sind manche Menschen besonders gesegnet mit einem Repertoire an sozialen Kompetenzen, die als Coach sehr wertvoll sind.

Da mein Tätigkeitsfeld nicht nur im deutschsprachigen Umfeld, sondern häufig auch international bzw. in interkulturell gemischten Kontexten stattfindet, wurde vor einigen Jahren ein Artikel von mir in der FAZ über das Thema interkulturelles Coaching veröffentlicht.

Interessant war für mich die Resonanz auf den Artikel. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich zahlreiche Anrufer bei mir melden. Nicht etwa, um mir einen Auftrag zu geben oder sich mit mir über das spannende Thema auszutauschen, sondern vielmehr, um mich zu interviewen, wie ich zu dem „Job als Coach“ gekommen sei.

Als ich mich 2003 als Coach in den Markt bewegte, war meine Zielsetzung zu diesem Zeitpunkt klar, nämlich als Coach, Trainer und Facilitator tätig zu sein. Ich hatte verschiedenste Qualifikationen erworben und das einzige, was ich noch nicht hatte, war Erfahrung als Coach. Als Berater war ich zuvor bereits geschäftsführend bei einer Unternehmensberatung tätig.

Jedoch hatte ich meine diversen Aus- und Fortbildungen in der Kommunikationspsychologie ohne klare Zielsetzung ausgewählt und auf die ein oder andere hätte ich in der Retrospektive auch durchaus verzichten können.

Fakt war, ich hatte Interesse an den Themen und hatte die Ausbilder meist auf Empfehlung gewählt. Für mich stand lediglich fest, dass ich etwas dazu lernen wollte und mich dabei auch persönlich weiterentwickeln wollte.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Impuls, in der Rolle als Coach zu agieren. Heute würde ich hier definitiv Auswahlkriterien ansetzen, wie bereits oben beschrieben.

Ich erlebe ab und zu Teilnehmer in meinen Workshops, die sich für Coaching Ausbildungen interessieren oder manchmal generell für eine Ausbildung in dem Bereich der Kommunikationspsychologie. Auf mein konkretes Nachfragen wissen viele noch nicht, was sie konkret damit anfangen wollen, sondern interessieren sich einfach für die Thematik und wollen ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen erweitern. Manche haben aber auch die konkrete Vorstellung – vielleicht – ins Coaching Business einzusteigen.

Auf jeden Fall macht es sicher Sinn, dass man im ersten Schritt vor der Auswahl eines Anbieters, über die eigene Zielsetzung reflektiert, um die für sich passende Coachingausbildung zu wählen. Und hierbei wiederum kann man sich verschiedene Fragen stellen wie beispielsweise:

  • Welchen Nutzen erwarte ich von der Ausbildung?
  • Welche Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungen habe ich bereits? Will ich diese vertiefen oder dazu ergänzend mich weiterentwickeln?
  • Wieviel Zeit, Energie und finanzielle Mittel (Kosten der Ausbildung, Reise und Unterbringung/Verpflegung) bin ich bereit zu investieren?
  • Mit wem, welchem Sparringspartner könnte ich vorab über meine Zielsetzung sprechen und hier eine Klärung vornehmen? Welche Person kenne ich, die ich schätze und die mich ohne eigenes Interesse hier unterstützen kann?

Kann ich vom Coaching alleine leben?

Für manche wird die Recherche über die Profession des Coaches vielleicht ernüchternd sein. Ein Coach kann vom Coaching alleine in der Regel kaum leben.
Die meisten Coaches sind gleichzeitig auch in der Rolle des Beraters, Trainers und/oder Facilitators unterwegs. Für mich war und ist gerade dieser Rollen-Mix interessant und bereichernd, und man ist häufig, gerade in Leadership- und Talent Management Programmen und diversen Projekten in der Kombination der Rollen gefragt.

Abschließend sei gesagt: Es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Man muss eben den für sich passenden Weg finden.

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