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Wie Sie Ihr Sabbatical richtig planen: Fünf Modelle und Ideen

Sabbaticals sind eine tolle Möglichkeit, sich eine berufliche Auszeit zu gönnen. Einfach mal raus aus allen Verpflichtungen und Zwängen und rein in neue Abenteuer oder auch in den Rückzug.

Vorab ist natürlich eine Menge zu bedenken und zu planen – ganz egal, ob Sie angestellt oder selbstständig sind oder sogar ein eigenes Unternehmen haben. Doch wie sagt ein altes Sprichwort so schön: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! In diesem Artikel zeige ich Ihnen, worauf Sie beim Planen Ihres Sabbaticals achten sollten und welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie nutzen können.

Was ist ein Sabbatical?

Unter dem Begriff “Sabbatical” – oft auch Sabbatjahr genannt – versteht man eine längere Auszeit vom Job. Ein Sabbatical dauert in der Regel maximal ein Jahr. Es kann aber auch deutlich kürzer auf zwei bis drei Monate angesetzt werden – und natürlich ist auch alles dazwischen möglich.

Ziel eines Sabbaticals ist es unter anderem, sich zu erholen, den eigenen Standort im Leben zu bestimmen, Pläne zu schmieden oder sich neuen Projekten und Abenteuern zu widmen. Durch ein Sabbatical bekommen Sie die Gelegenheit, sich einmal fernab des Alltags um sich selbst zu kümmern.

Was fasziniert Menschen an Sabbaticals?

Die Australierin Bronnie Ware hat jahrelang todkranke Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Dabei erfuhr sie von ihren Patienten, was sie in ihrem Leben am meisten bereuten. Und sie bekam immer wieder dieselben Antworten zu hören: Die Sterbenden bedauerten am allermeisten, nicht das getan zu haben, was ihnen wirklich wichtig war im Leben.

Ihre Erkenntnisse teilte Bronnie Ware in ihrem Buch “The Top Five Regrets of the Dying”, das zum internationalen Bestseller avancierte. Nachfolgend sehen Sie die Zitate, die am meisten von den todkranken Patienten genannt wurden:

  1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten.”
  2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.”
  3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.”
  4. “Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.”
  5. “Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.”

Vielleicht merken auch Sie beim Lesen dieser Sätze eine Resonanz? Falls nicht, haben Sie eventuell geschafft, all Ihre Herzensthemen in Ihr Leben und Arbeiten gut zu integrieren. Häufig gibt es jedoch auch Wünsche und Träume, die sich nicht so einfach integrieren lassen. Sabbaticals bieten die Chance, eine Balance zu schaffen. Sabbaticals bieten Zeit für alles, was das eigene Herz jubeln lässt. Wahrscheinlich erfreuen sie sich deshalb immer größerer Beliebtheit

Weitere gute Gründe für eine berufliche Auszeit, habe ich in diesem Artikel zusammengetragen.

Die wichtigsten Fragen vor Ihrem Sabbatical

Wahrscheinlich können Sie kaum spontan alle Zelte abbrechen und in die Welt ziehen. Nur wenn Sie Ihr Sabbatical gründlich planen, können Sie es entspannt genießen – ohne zermürbende Gedanken rund um Geld, To-dos und die Zukunft.

Stellen Sie sich zu Beginn folgende Fragen:

  • Wann soll mein Sabbatical starten?
  • Wie lang soll meine berufliche Auszeit dauern?
  • Wo lebe ich während meines Sabbaticals?
  • Was will ich tun und erleben?
  • Wer soll mich gegebenenfalls begleiten? Gibt es dafür etwas Besonders zu beachten? (Kommen zum Beispiel Kinder mit?)
  • Wie finanziere ich mein Sabbatical?
  • Möchte ich nach meiner Rückkehr in meinen alten Job zurück oder etwas Neues wagen?

Wenn Sie angestellt sind, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Chef über Ihre Pläne! Viele Unternehmen unterstützen Sabbaticals und bieten Ihnen die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen auch während Ihrer Auszeit ein Gehalt zu beziehen.

Sabbatical organisieren: Fünf verschiedene Modelle

Ein Sabbatical gut zu organisieren, ist in jedem Fall eine Herausforderung. Davon sollten Sie sich aber nicht entmutigen lassen. Es gibt viele verschiedene Wege, ein Sabbatical zu planen, und wenn Sie dranbleiben, werden Sie den für sich richtigen finden.
Die fünf am weitesten verbreiteten Modelle stelle ich Ihnen vor:

Sabbatical-Modell 1: Unbezahlte Freistellung

Das einfachste Szenario für ein Sabbatical ist, sich für eine gewisse Zeit von der Arbeit freistellen zu lassen. Allerdings bekommen Sie dann kein Gehalt und müssen sich während Ihrer Abwesenheit selbst um Ihre Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern.

Sabbatical-Modell 2: Sonderurlaub beantragen

Wenn Sie sich nur ein paar Wochen Ruhe gönnen möchten, können Sie bei Ihrem Arbeitgeber Sonderurlaub beantragen. Dieser darf maximal vier Wochen dauern, damit Ihr Beschäftigungsverhältnis nicht als unterbrochen gilt. Wenn Sie dann noch Ihren Jahresurlaub dazu nehmen, können Sie einfach für zwei Monate verschwinden – sofern Ihr Vorgesetzter zustimmt und Sie es sich leisten können. Ein Gehalt für den Sonderurlaub gibt es nicht.

Sabbatical-Modell 3: Ein Zeitguthaben ansparen

In immer mehr Firmen haben Sie die Möglichkeit, vor Ihrem Sabbatical ein Zeitguthaben anzusparen – zum Beispiel durch Überstunden und nicht genutzte Urlaubstage. Wenn Sie sich dann in Ihrer Auszeit befinden, wird Ihnen das Gehalt für die gehortete Zeit ausgezahlt. Sie arbeiten also quasi im Voraus und bekommen den Lohn dafür später.

Sabbatical-Modell 4: Auf Lohn verzichten

In einigen Unternehmen können Sie nach Absprache für eine gewisse Zeit auf einen kleinen Teil Ihres Lohns verzichten. Das so angesparte Geld bekommen Sie dann während Ihres Sabbaticals ausgezahlt. Wenn Sie zum Beispiel nur 80 Prozent Ihres Gehalts beziehen, haben Sie nach einem Jahr genug Geld für zwei bis drei Monate Auszeit zusammen.

Praktisch ist an diesem Modell auch, dass das Arbeitsverhältnis bestehen bleibt. Sie müssen sich somit nicht um Ihre Sozialversicherungen sorgen.

Sabbatical-Modell 5: Job kündigen

Dieser Weg ist wahrscheinlich der Radikalste: Sie kündigen Ihren Job und begeben sich ohne Netz und doppelten Boden in Ihr Sabbatical. Die Nachteile liegen auf der Hand: Sie bekommen kein Gehalt, müssen sich selbst um Ihre Krankenversicherung kümmern und wissen nicht sicher, wie es nach Ihrer Rückkehr weitergeht. Dafür sind Sie aber freier denn je. Alle Türen stehen Ihnen offen.

Welcher Weg der richtige ist, hängt von Ihren Bedürfnissen ab

Sie sehen: es gibt ausreichend Möglichkeiten. Sollten Sie ein Sabbatical in Erwägung ziehen, hängt es von Ihren Bedürfnissen und Ihrer Situation ab, wie sie dies organisieren.

Häufig scheitert es eher am eigenen Mut, womit wir beim Thema von Bronnie Ware wären. Daher möchte ich Sie gerne dazu ermutigen, die Dinge anzugehen, die Ihnen wichtig sind.

In meinen Talent-Management-Programmen in Unternehmen passiert häufig das Folgende: Mein Teilnehmer merken erst in unseren Workshops, wie glücklich sie in ihren beruflichen und privaten Rollen und mit ihrem Arbeitgeber sind. Auch das kann man aus den Augen verlieren. Und sie merken, dass sie die Themen, die ihnen darüber hinaus wichtig sind im Leben, leicht integrieren können. Sie wussten nur häufig nicht wie. Und nun werden diese Themen geplant und in Angriff genommen.

Ich habe aber auch immer wieder mit Menschen zu tun, die sich ganz bewusst für eine kleinere oder größere Auszeit entscheiden. So unterschiedlich wie sie selbst sind auch ihre

Geschichten.

In einem meiner Development-Programme in Bejing kam einer der Teilnehmer zum Fazit, dass er mit Frau und Kind für einige Monate auf einer Insel im Indischen Ozean leben möchte (one of his big dreams) und ihm war klar, dass dies vielleicht erst wieder in einigen Jahrzehnten möglich sein könnte. So begann er, die Umsetzung seines Traumes zu planen, sich finanziell abzusichern und mit dem Arbeitgeber eine Regelung zu treffen. Denn er wusste, dass ihm seine Rolle, sein Team und sein Arbeitgeber zu wichtig sind, als dass er sie einfach aufgibt. Sein Arbeitgeber wollte auch nicht so einfach auf ihn verzichten und gestand ihm die Auszeit zu.

Ein anderer Teilnehmer ist mit seiner Partnerin für sechs Monate nach Lateinamerika. Ihnen war klar, dass sie diese Auszeit nicht im Rahmen ihres Beschäftigungsverhältnisses bekommen. Da ihnen die Reise jedoch sehr wichtig war, kündigten sie ihren Job.

Ich kenne auch Führungskräfte, die sich für einige Monate aus dem Unternehmen verabschieden konnten. Immer mehr Unternehmen unterstützen Sabbaticals durch Teilzeit- oder Zeitguthabenmodelle.

Viele Menschen wollen auch erstmal für sich erkennen, was ihnen wirklich wichtig ist, weil sie dies aus den Augen verloren haben. Dafür machen bereits „kleine Sabbaticals“ Sinn, beispielsweise im Rahmen eines mehrtägigen Retreats, um sich mit den eigenen Fragestellungen zu beschäftigen.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Wann machen Sie Ihre Träume wahr?

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