Mitarbeiter & eigene Stärken erkennen

Stärkenorientiert führen – Teil 2 Stärken erkennen – Wie erkenne ich meine Stärken und die meiner Mitarbeiter

Inhalt
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    Prolog

     Seit einiger Zeit erlebe ich, wie mein Patenkind versucht seine berufliche Orientierung zu finden. Vor zwei Monaten gab es noch den Wunsch zur Kriminalpolizei zu gehen, heute überwiegt die Idee Psychologie zu studieren. Mit 16 Jahren ist man eben auf der Suche. Wer kennt das nicht. Mit 16 Jahren hat man vielleicht eine Idee davon, was einem wichtig ist. Aber man weiß noch nicht wirklich, wer man ist und hat vielmehr eine Ahnung davon, über welche Talente und Stärken man verfügt.

    Allerdings erlebe ich das auch häufig bei den Menschen, mit denen ich im Coaching arbeite: sie wissen nicht, welche Talente und Stärken sie haben. Selbst gestandene Führungskräfte scheuen sich häufig davor, klar auf den Punkt zu benennen, was sie richtig gut können.

    Leider führt diese Unkenntnis häufig dazu, dass Menschen nicht glücklich sind in der beruflichen Rolle, die sie ausfüllen. Sie leben häufig an ihrem Potenzial vorbei, weil sie einen Weg gegangen sind, der ihnen zwar als der passende erschien, der aber nichts mit ihren Talenten zu tun hatte.

    Studien zeigen uns, dass wir glücklich sind und uns erfüllt fühlen, wenn wir unsere Stärken in unserer tagtäglichen Arbeit nutzen können. Hinzu kommt: stärkenorientiertes Arbeiten steigert die Effizienz.

    Fragen Sie sich doch einmal selbst: Können Sie Ihre Stärken in Ihrer beruflichen Arbeit tagtäglich nutzen?

     

    Wie erkenne ich denn meine Stärken

    Ein häufiger Grund, warum Menschen ihre Stärken nicht finden ist, weil sie sich nicht genug mit sich auseinandersetzen. Vielmehr liegt der Fokus darauf was nicht gut läuft.

    Vielleicht kommt Ihnen folgende Situation auch bekannt vor? Jemand macht Sie darauf aufmerksam, wie toll und einfach Sie offensichtlich eine Aufgabe gemeistert haben und Sie reagieren mit einer abfälligen Handbewegung. Eventuell folgt noch mit einem Satz wie „naja, das ist doch etwas Selbstverständliches… „. Da hat Sie also gerade jemand auf eine Stärke angesprochen und diese an Sie zurückgespiegelt. Für Sie jedoch ist eben diese angesprochene Verhaltensweise etwas völlig „Normales“ und daher nichts Bemerkenswertes. Ein sehr typisches Indiz dafür, dass Sie etwas besonders gut können, was Ihnen nur nicht bewusst ist bzw. das Sie als eine Selbstverständlichkeit betrachten.  

    Zunächst einmal möchte ich definieren, was eine Stärke ist und woran Sie eine Stärke erkennen.

    Das Gallup Institut beispielsweise hat eine Stärke folgendermaßen definiert:  eine Stärke bildet man aus, wenn eine Kombination von Talent, Wissen und Erfahrung zusammenkommen. Angenommen Sie haben ein Talent handwerklich tätig zu sein, dann können Sie dieses Talent mit entsprechendem Wissen und mit viel Übung, das heisst Erfahrung, zu einer wirklichen Stärke ausbauen.

    Eine Signaturstärke wiederum definiert man als etwas, das nicht nur in diesem Sinne eine Stärke darstellt, sondern die Stärke ist quasi zu einem Charakteristikum einer Person geworden und somit ein Teil der Persönlichkeit. Wir identifizieren uns dann mit diesem Aspekt.

    Wenn jemand versucht sich handwerklich zu entwickeln ohne dass dieses Talent vorhanden ist, wird dieser Mensch zwar mit erlerntem Wissen und ausreichend Übung einen ordentlichen Status quo hinbekommen. Doch dieses „Können“ wird keine Stärke dieser Person sein. Denn trotz Können wird es dieser Person immer noch schwerfallen, sich in bestimmte handwerkliche Aufgaben hineinzudenken. Und sie wird grundsätzlich bei all diesen handwerklichen Aktivitäten nicht dieselbe Zufriedenheit erfahren, wie jemand der sein Talent hierin hat.

    Hier will ich einmal die typischen Indizien zusammenfassen, woran Sie Ihre Stärken erkennen können:

     

    • Leichtigkeit
      Das Ausüben einer Tätigkeit ist gefühlt mit wenig Aufwand verbunden

    • Motivation und Begeisterung
      Wir müssen uns nicht zwingen etwas zu tun, es braucht auch nicht ein To Do auf unserer To Do Liste – wir machen es einfach gerne und sind intrinsisch motiviert

    • Emotionen
      Ein Gefühl von Zufriedenheit, Freude und Erfüllung begleitet uns beim Ausüben dieser Tätigkeit

    • Authentizität
      Wir „gehen ganz darin auf“, wir identifizieren uns mit dieser Tätigkeit

    • Lerntempo
      Uns in diesem Tätigkeitsbereich weiterzuentwickeln und zu lernen ist einfach und funktioniert schnell

    • Fokus
      Wir behalten den Fokus und müssen uns nicht zwingen uns dabei zu konzentrieren, haben auch kein Problem damit, Ablenkungen zu widerstehen

    • Kindheitsträume
      Häufig waren diese Tätigkeiten bereits ein Bestandteil in unseren Kindheitsträumen oder auch bereits ein Thema in unseren Aktivitäten als Kind

     

     

    Werden Sie zum neugierigen Erforscher Ihrer selbst

    Nun wissen Sie, welche Kriterien Sie anwenden können, um Ihren Stärken auf die Spur zu kommen. Fangen Sie daher am besten damit an, sich selbst zu beobachten. Am besten mit der Neugierde eines Kindes oder eines Forschers. Schauen Sie einfach immer mal während eines Tages darauf, was Sie grade tun und überprüfen Sie ob die genannten Kriterien zutreffen.

    Oder Sie reflektieren am Ende jeden Tages einmal darüber, wann Sie sich während des Tages im Flow gefühlt haben, wann Ihnen Dinge einfach von der Hand gingen und Sie dabei große Motivation und Erfüllung gespürt haben. Im übrigen trainieren Sie auf diese Weise gleichzeitig Ihre „Awareness“, was wiederum zu mehr Gelassenheit führt.

    Eine weitere Möglichkeit ist es, dass Sie sich mit Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld darüber austauschen, wie Sie wahrgenommen werden. Es mag vielleicht auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber es ist hilfreich und kann eine „Lücke“ schliessen.

    Als sinnvoll hat sich hier auch folgende Vorgehensweise erwiesen, die von Robert Quinn und Kollegen im Center for Positive Organizational Scholarship entwickelt wurde. Die Vorgehensweise ist eine Übung, die sich „Reflected Best Self“ nennt.

    Bei dieser Übung gehen Sie folgendermaßen vor: Suchen Sie sich einige Menschen aus Ihrem privaten und beruflichen Umfeld. Fragen Sie diese Menschen danach, was sie an ihnen als Stärken wahrnehmen und bitten Sie diese darüberhinaus, Ihnen konkrete Beispiele bzw. Situationen zu nennen. Wann, in welchen Situationen zeigen Sie „Ihr bestes Selbst?“. Im Nachgang schauen Sie, welche Aspekte mehrmals genannt wurden oder wo es Gemeinsamkeiten zwischen den Nennungen gibt. Auf diese Art und Weise haben Sie eine externe Referenz zu Rate gezogen und können diese auch nochmal mit Ihrer eigenen Wahrnehmung abgleichen.

    Es ist also ziemlich einfach „sich selbst damit auf die Spur zu kommen.“ Und falls Sie doch sagen sollten: „ich schau mir das lieber gemeinsam mit einem professionellen Sparringspartner an“, kontaktieren Sie mich gerne.

     

    Wie kann ich die Stärken meiner Mitarbeiter erkennen

    Wenn Sie diesen Schritt der Stärkensuche einmal für sich gemacht haben, wird es Ihnen vermutlich einfacher fallen, Stärken auch bei Ihren Mitarbeitern zu erkennen. Weshalb? Weil Sie Ihr Gehirn bereits auf den Stärkenfokus gerichtet haben. Wie wichtig für die Mitarbeitermotivation der Stärkenfokus ist habe ich in diesem Blogartikel dargestellt.

    Beginnen Sie Ihr Gehirn dahingehend zu trainieren, das was gut gemacht wurde, zu sehen und dann auch anzuerkennen. Es geht dabei nicht darum, Aspekte, die zu verbessern sind, vom Radarschirm zu nehmen. Natürlich müssen Themen, die nicht funktionieren adressiert werden. Und zwar klar, konkret und zeitnah, sodass ein Mitarbeiter weiß, was zu tun ist.

    Wir sprechen nun in diesem Kontext darüber, wie Sie Stärken entdecken. Mitarbeiter, die dabei „ertappt“ werden, wenn „Dinge gut laufen“, wenn sie Ihre Stärken einsetzen, fühlen sich wertgeschätzt undgesehen“. Das soll kein Schmusekurs sein, sondern ganz einfach eine veränderte Perspektive, um weg von der so häufigen Defizitorientierung zu kommen und die Stärken zu sehen. Dieses Thema ist auch relevant beim sogenannten Positive Leadership.

    Falls es Ihnen zu Beginn schwerfallen sollte, ist das nicht schlimm. Geben Sie dabei nicht so schnell auf! Bedenken Sie, dass viele Menschen, vielleicht sogar die meisten, gelernt haben, das zu sehen, was nicht oder weniger gut funktioniert. Es geht also um mehr als um einen Perspektivwechsel und es braucht eventuell etwas Übung für diesen anderen Blickwinkel.

    Wenn Sie nun Ihren Erforschergeist auch für die Stärken Ihrer Mitarbeiter einsetzen, dann gleicht dies dem procedere, das Sie bereits bei Ihrer eigenen Stärkensuche angewandt haben. Nehmen Sie bewusst wahr, wie Ihre Mitarbeiter arbeiten und dies mit folgendem Fokus bzw. folgenden Fragestellungen (ich verzichte bewusst auf die Gendersprache, da ich bei dem Intellekt meiner Leser voraussetze, dass sie alle Geschlechter darunter verstehen):

    • was macht der Mitarbeiter gerne?
    • was fällt ihm einfach?
    • was zaubert ihm ein Lächeln aufs Gesicht?
    • über welche Tätigkeiten erzählt er gerne?
    • worüber kann er seine Zeit vergessen?
    • welche Tätigkeiten übernimmt er immer wieder gerne?
    • wofür wird er immer wieder von anderen angefragt?

    Das ist eine Auswahl an Fragen, die Sie als Führungskraft beachten können, um die Stärken Ihrer Mitarbeiter zu erkennen.

     

    Fazit

    Beginnen Sie zunächst bei sich selbst. Sie kennen das Zitat: Nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Das impliziert auch eine hohe Selbstkenntnis. Was sind Ihre Stärken? Kennen Sie sie bereits?

    Danach werfen Sie Ihren Blick auf die Stärken Ihrer Mitarbeiter. Die Stärken Ihrer Mitarbeiter zu kennen hat mehrere Vorteile.

    Zum einen können Sie Ihre Mitarbeiter besser einschätzen. Sie wissen, welche Aufgaben passend sind und eine Weiterentwicklung bedeuten. Fordern und fördern gehören zusammen. Oder ob bestimmte Rollen und Aufgaben eher dazu führen, dass diese Stärken verkümmern. Denn eine Stärke kann auch nur da als Stärke zur Geltung kommen, wenn es den passenden Kontext gibt. Das bekannte Pinguinprinzip.

    Sie wissen dadurch auch, was für Ihre Mitarbeiter motivierend und erfüllend ist. Sie haben „Schätze“, die Sie an Ihre Mitarbeiter zurückspiegeln können, womit sich ihre Mitarbeiter bestätigt fühlen. Sie schaffen dadurch auch Nähe, Wertschätzung und eine emotionale Mitarbeiterbindung.

    Last but not least hat die Forschung aufgezeigt, dass Menschen, deren Stärken zum Einsatz kommen, nicht nur glücklicher sind sondern auch effizienter.

    Daher: worauf warten Sie noch?

    Am besten Sie beginnen heute noch Ihren Erforschergeist dahingehend einzusetzen. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit!

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